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Lateinamerika / Recruiting

Recruiting in Lateinamerika und Markteintritt nach dem Mercosur-Abkommen

Ein Rückblick auf das Business Breakfast von HypoVereinsbank / UniCredit und der IHK für München und Oberbayern – von Sandra Lochmann, Gründerin von People · Places · Performance

Veröffentlicht am 17. September 2026 · 10 Min. Lesezeit

Sandra Lochmann beim Business Breakfast von HypoVereinsbank und IHK München zu Mercosur, Mexiko und Recruiting in Lateinamerika

Hoch über den Dächern Münchens hatte die UniCredit / HypoVereinsbank gemeinsam mit der IHK für München und Oberbayern zum Business Breakfast eingeladen. Auf dem Programm standen globale Wachstumschancen: Indien, Mexiko und der Mercosur. Indien war spannend. Lateinamerika ist aber meine Leidenschaft und meine Spezialisierung, deshalb liegt dort mein Fokus – auf Recruiting in Lateinamerika und auf dem Markteintritt in Lateinamerika.

Danke an Gastgeber und Referentinnen

Ein Morgen wie dieser lebt von den Menschen, die ihn gestalten. Mein herzlicher Dank geht an die UniCredit / HypoVereinsbank und die IHK für München und Oberbayern für die Einladung – und an:

  • Christopher Liebig: Managing Director und Head Trade Finance & Working Capital Sales Germany bei der HypoVereinsbank, für die Gastgeberschaft und die Moderation
  • Yvonne Scholz: Managing Director und Head of Trade Finance bei der HypoVereinsbank, für den persönlichen Austausch
  • Jessica de Pleitez: Foreign Trade Specialist für Europa, UK und Lateinamerika bei der IHK für München und Oberbayern, für ihren fundierten Vortrag zum bayerischen Außenhandel
  • Serena Fazzini: Referentin für den Mercosur bei der UniCredit Bank GmbH, für ihren Blick auf Länderrisiken und Bankpartner in der Region

Das EU-Mercosur-Abkommen: Warum es so bedeutend ist

Nach über 25 Jahren Verhandlung ist das Abkommen Realität. Gemeinsam mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay schafft die EU einen modernen Rahmen für politischen Dialog, Zusammenarbeit und Handel. Gemessen an der Bevölkerung entsteht so der größte Freihandelsraum der Welt mit über 700 Millionen Menschen.

Für Bayern sind die Zahlen der IHK eindeutig:

  • Handelsvolumen mit dem Mercosur: 2,7 Mrd. €, davon 2,2 Mrd. € Exporte und nur 0,5 Mrd. € Importe. Bayern erzielt also einen deutlichen Exportüberschuss.
  • Wichtigste Exportgüter: Maschinen (rund 777 Mio. €), Kraftfahrzeuge und Teile (rund 368 Mio. €) und elektronische Ausrüstung.
  • Maschinenbau: Zölle von 14–20 % sollen wegfallen, und einheitliche technische Standards beschleunigen die Markteinführung.
  • Automobilindustrie: Bis zu 35 % Zollersparnis stärken die bayerischen Hersteller im Wettbewerb mit den USA und Asien.
  • Öffentliche Aufträge: Bayerische IT- und Ingenieurdienstleister erhalten erstmals Zugang zu Ausschreibungen im Mercosur.
  • Arbeitsmarkt: Rund 5.000 Arbeitsplätze in Bayern werden gesichert oder neu geschaffen, dazu kommen bis zu 800 Mio. € zusätzliches Exportvolumen pro Jahr.

Ein Punkt der IHK ist mir besonders aufgefallen: Das Abkommen soll die Mobilität qualifizierter Arbeitskräfte erleichtern, zum Beispiel die Entsendung von Personal für Montage und Beratung. Hier wird aus Handelspolitik ein Personalthema.

Wo stehen wir? Die nächsten Schritte

Der Handelsteil gilt bereits: Alle Mercosur-Staaten haben das Interimsabkommen ratifiziert, und es wird seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Abgeschlossen ist der Prozess aber noch nicht. Das Europäische Parlament stimmt erst ab, wenn der Europäische Gerichtshof das Abkommen geprüft hat. Das umfassende Partnerschaftsabkommen muss zudem noch von allen nationalen Parlamenten ratifiziert werden.

Auch bei Mexiko tut sich viel. Am 22. Mai 2026 haben die EU und Mexiko ihr modernisiertes Globalabkommen unterzeichnet, das das Abkommen aus dem Jahr 2000 ersetzt. Der Handelsteil soll vorläufig in Kraft treten, sobald das Europäische Parlament zugestimmt hat. Wie dringend das ist, zeigt die bayerische Statistik: Mexiko liegt auf Platz 20 der Exportmärkte, 2025 gingen die Exporte aber um 4,4 % zurück.

Was Unternehmen jetzt tun sollten:

  1. Die Zollkalkulation und die Ursprungsregeln für die eigenen Produkte prüfen.
  2. Finanzierung und Absicherung mit der Hausbank klären. Die Möglichkeiten unterscheiden sich stark – von „keine Restriktion" in Mexiko bis zu 12 Monaten Laufzeit und begrenzten Volumina in Argentinien.
  3. Frühzeitig die richtigen Menschen an Bord holen. Das ist der Punkt, der am häufigsten unterschätzt wird.

Brasilien: Der Riese des Mercosur

Brasilien ist mit über 213 Millionen Einwohnern das Schwergewicht der Region. Deutschland exportierte 2025 Waren im Wert von rund 14,8 Mrd. USD dorthin, vor allem Maschinen, Pharma, Chemie und Fahrzeuge.

Ich kenne dieses Land aus eigener Erfahrung: Ich habe dort gelebt und später für BMW beim Aufbau des Werks in Brasilien das Recruiting verantwortet. Entscheidungen fallen dort oft über persönliche Netzwerke. Flexibilität und Improvisationstalent – der berühmte jeitinho brasileiro – sind eine echte Stärke, wenn man sie versteht. Und wer Portugiesisch spricht, öffnet Türen, die auf Englisch verschlossen bleiben.

Die Zahlen sind nur die halbe Geschichte

Bei aller Begeisterung für Zölle und Exportvolumen hat mir an diesem Morgen ein Thema gefehlt: Kultur und Menschen.

Ein Abkommen öffnet die Tür, aber hindurchgehen müssen Menschen. Viele deutsche Unternehmen scheitern in Lateinamerika nicht am Produkt oder an der Finanzierung. Ihnen fehlt das kulturelle Verständnis.

Mein Weg nach Lateinamerika

Meine Verbindung zu Lateinamerika begann im Studium: Im Rahmen des CALA-Studiengangs der FH Münster habe ich mein komplettes Hauptstudium – zwei Jahre – an einer Universität in Costa Rica absolviert und mit einem Doppeldiplom in Deutschland und Costa Rica abgeschlossen.

Noch während des Studiums bin ich ins Berufsleben eingestiegen: Tagsüber habe ich bei Bayer in Costa Rica gearbeitet, abends studiert. Dort war ich gemeinsam mit Matthias Kremer, dem damaligen CEO von Bayer für Zentralamerika und die Karibik, für ein großes Personalprojekt in der gesamten Region verantwortlich. Für eine Mutterschaftsvertretung durfte ich außerdem drei Monate in El Salvador arbeiten – ein großartiges Erlebnis. Insgesamt habe ich fünf Jahre in Zentralamerika gelebt und gearbeitet. Schon davor hatte ich in Brasilien, Portugal und England gelebt.

Bei BMW habe ich zunächst in Brasilien das Recruiting für den Werksaufbau übernommen und anschließend mit meinem Team das Recruiting für den Aufbau des Werks in Mexiko.

Dabei habe ich gelernt: Ohne interkulturelle Kompetenz bleibt jede Lateinamerika-Strategie Theorie.

Vier kulturelle Erfolgsfaktoren für Lateinamerika

1. Erst die Beziehung, dann das Geschäft.

In Deutschland überzeugen Fakten. In Mexiko, Brasilien oder Costa Rica entsteht Vertrauen über persönliche Beziehungen: ein gemeinsames Essen, echtes Interesse am Gegenüber, Zeit für Gespräche jenseits der Agenda.

2. Zwischen den Zeilen lesen.

Ein „Ja" bedeutet nicht immer Zustimmung, und Kritik wird oft indirekt geäußert. Deutsche Führungskräfte müssen ein Umfeld schaffen, in dem Teams offen sprechen.

3. Hierarchie respektieren und Nähe zeigen.

Führung funktioniert in Lateinamerika oft über Präsenz und persönliche Wertschätzung. Eine E-Mail aus München ersetzt keinen Besuch vor Ort.

4. Flexibilität als Stärke nutzen.

Wechselkurse schwanken, Rahmenbedingungen ändern sich. Lateinamerikanische Teams sind Meister im Improvisieren. Wer diese Stärke mit deutscher Struktur verbindet, gewinnt.

Recruiting in Lateinamerika: Brückenbauer gesucht

Mit den neuen Abkommen steigt der Bedarf an Fach- und Führungskräften, die beide Welten verstehen: Sie verbinden fachliche Exzellenz mit Sprachkenntnissen und Gespür für die Geschäftskultur Lateinamerikas.

Genau hier setzt People · Places · Performance an. Mein Fokus liegt auf Italien, Portugal und Lateinamerika – und die Abkommen mit dem Mercosur und Mexiko spielen diesem Fokus natürlich in die Hände. Ich unterstütze Unternehmen in fünf Sprachen:

  • Markteintritt in Lateinamerika: Begleitung beim Einstieg in Brasilien, Mexiko und den Mercosur – von der Standortfrage bis zum ersten Team vor Ort
  • Recruiting in Lateinamerika in beide Richtungen: von Deutschland und Italien nach Lateinamerika und von Lateinamerika nach Deutschland und Italien
  • Interim Management: erfahrene Führungskräfte für Aufbau- und Übergangsphasen

Markteintritt in Lateinamerika: Was in den ersten zwölf Monaten zählt

Ein Markteintritt in Lateinamerika scheitert selten am Produkt. Er scheitert an den ersten Personalentscheidungen: an einer Länderleitung ohne lokales Netzwerk, an Führungskräften ohne Sprache, an Teams, die aus der Zentrale gesteuert statt vor Ort aufgebaut werden. Wer Standortwahl, Zollkalkulation und Recruiting in Lateinamerika parallel plant, verliert kein Jahr.

Dabei zählt für mich mehr als der Lebenslauf: Person, Ort und Aufgabe müssen zusammenpassen.

CALA an der FH Münster: Die Brückenbauer von morgen

Viele dieser Brückenbauer kommen aus Studiengängen wie meinem eigenen: dem Deutsch-Lateinamerikanischen Studiengang Betriebswirtschaft (CALA) an der FH Münster. Man studiert ganz normal Betriebswirtschaft – und zusätzlich alles, was zum Verständnis Lateinamerikas gehört: Politik, Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft der Region sowie die Sprachen.

Zu meiner Zeit war CALA noch ein Diplomstudiengang. Costa Rica gehörte damals zu den Partneruniversitäten, und ich habe mein komplettes Hauptstudium – zwei Jahre – dort absolviert und mit einem Doppeldiplom abgeschlossen.

Heute ist CALA Teil des Bachelors International Business & Management mit Schwerpunkt Lateinamerika:

  • Abschluss: Bachelor of Arts mit Doppelabschluss an der FH Münster und einer lateinamerikanischen Partneruniversität
  • Aufbau: vier Semester in Münster, danach zwei Studiensemester und ein Praxissemester in Lateinamerika, inklusive Bachelorarbeit
  • Partnerhochschulen: in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko und Peru

Für mich war CALA der Grundstein meiner Karriere. Nach diesem Morgen bin ich überzeugt: CALA-Absolventinnen und -Absolventen werden in den kommenden Jahren enorm wertvoll sein. Wenn die Abkommen mit dem Mercosur und Mexiko ihre Wirkung entfalten, brauchen Unternehmen genau diese Menschen.

Mein Fazit und mein Wunsch für das nächste Mal

Das Business Breakfast war inhaltlich stark, und es war großartig, die Menschen dort kennenzulernen – die Gespräche am Rand waren mindestens genauso wertvoll wie die Vorträge.

Besonders freut mich, dass die IHK hier so aktiv mitmacht. Für mich spielt gerade alles zusammen: die Abkommen, das Interesse der bayerischen Wirtschaft und Studiengänge wie CALA, die genau die richtigen Menschen ausbilden. Nach so vielen Jahren Verhandlung ergibt das alles endlich Sinn. Ob die Abkommen damit schon am Ziel sind, wird sich noch zeigen – die Ratifizierung ist nicht abgeschlossen. Aber ich freue mich sehr auf die Projekte, die daraus entstehen.

Beim nächsten Mal würde ich mich freuen, wenn neben Zahlen, Ratings und Finanzierung auch Kultur und Menschen auf der Agenda stehen. Über den Erfolg in Lateinamerika entscheidet am Ende nicht allein das Abkommen, sondern die Menschen, die es mit Leben füllen.

Häufige Fragen

Ist das EU-Mercosur-Abkommen schon in Kraft?

Der Handelsteil wird seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet. Die Zustimmung des Europäischen Parlaments und die Ratifizierung des umfassenden Partnerschaftsabkommens stehen noch aus.

Warum ist interkulturelle Kompetenz in Lateinamerika so wichtig?

Geschäftsbeziehungen beruhen dort stark auf persönlichem Vertrauen. Wer Kommunikation und Hierarchien falsch einschätzt, gefährdet Projekte, selbst wenn das Produkt stimmt.

Wie finde ich Fachkräfte für den Markteintritt in Brasilien oder Mexiko?

Am besten mit einem Partner, der Recruiting-Erfahrung mit eigener Praxis in Lateinamerika verbindet. Kontakt aufnehmen

Welcher Studiengang bereitet auf Karrieren in Lateinamerika vor?

Ein Beispiel ist der Deutsch-Lateinamerikanische Studiengang (CALA) im Bachelor International Business & Management der FH Münster: Betriebswirtschaft plus Lateinamerika-Schwerpunkt, zwei Studiensemester und ein Praxissemester in Lateinamerika sowie ein Doppelabschluss mit einer Partneruniversität.

Wie funktioniert Recruiting in Lateinamerika?

Recruiting in Lateinamerika läuft stark über persönliche Netzwerke und Direktansprache in Landessprache. Stellenanzeigen allein reichen selten. Entscheidend sind ein lokales Netzwerk, Portugiesisch- bzw. Spanischkenntnisse und ein Auswahlprozess, der Fachkompetenz und interkulturelle Passung gleichermaßen prüft.

Was kostet oder braucht ein Markteintritt in Lateinamerika?

Ein Markteintritt in Lateinamerika braucht vor allem drei Dinge: geklärte Zoll- und Ursprungsregeln, eine gesicherte Finanzierung über die Hausbank und die richtigen Menschen vor Ort. Die Personalfrage wird am häufigsten unterschätzt und verursacht die teuersten Verzögerungen.

Welche Länder eignen sich für den Einstieg in den Mercosur?

Brasilien ist als größter Markt der Region meist der Ankerstandort, Mexiko über das modernisierte EU-Abkommen ein starker Zugang nach Nordamerika. Argentinien, Uruguay und Paraguay funktionieren gut als Folgemärkte, sobald ein Team in der Region steht.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

Über den Erfolg in Lateinamerika entscheidet am Ende nicht allein das Abkommen, sondern die Menschen, die es mit Leben füllen.

Sie möchten beim Markteintritt in Lateinamerika begleitet werden oder suchen Fach- und Führungskräfte – von Deutschland oder Italien nach Lateinamerika oder umgekehrt? Sprechen Sie mich an.

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Quellen

  1. 01IHK für München und Oberbayern — Mercosur und Außenhandelihk-muenchen.de
  2. 02Europäische Kommission — EU-Mercosur-Abkommenpolicy.trade.ec.europa.eu
  3. 03Europäische Kommission — Beziehungen zwischen der EU und Mexikopolicy.trade.ec.europa.eu
  4. 04FH Münster — Deutsch-Lateinamerikanischer Studiengang (CALA)fh-muenster.de

Alle Aussagen sind mit öffentlich zugänglichen Quellen belegt (Stand: siehe Artikeldatum). Keine Rechts- oder Steuerberatung.

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