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Recruiting

Überlastung? Nein danke – dann geht die Gen Z lieber

Veröffentlicht am 18. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Junger Mitarbeiter am Bildschirmarbeitsplatz im Großraumbüro

Bis 2030 wird jede dritte erwerbstätige Person zur Generation Z gehören – also zu den Jahrgängen 1997 bis 2012. Eine neue Studie von Il Sole 24 Ore und WTW zeigt, wie deutlich diese Generation die Spielregeln verschiebt: Mehr als die Hälfte der jungen Befragten würde das Unternehmen verlassen, wenn die Arbeitslast dauerhaft nicht tragbar ist. Das ist kein italienisches Sonderphänomen. Ich sehe dieselbe Entwicklung in meinen Mandaten zwischen Bayern, Österreich und Norditalien – und sie betrifft Produktion und Schichtbetrieb genauso wie das Büro.

Die Zahlen: Balance vor Gehalt

Der neue Gen Z Intelligence Report ist die erste fortlaufende Erhebung in Italien, die sich speziell mit der Generation Z und ihrem Verhältnis zur Arbeit befasst. Realisiert wurde er von Il Sole 24 Ore mit 24 ORE Ricerche e Studi, in Partnerschaft mit WTW und unterstützt von University Box, einer Community mit über 1,2 Millionen jungen Menschen. Geplant sind vier Berichte pro Jahr.

Die Rangfolge der Prioritäten ist eindeutig: Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben steht mit 60,4 % an erster Stelle. Es folgen Stabilität und Sicherheit mit 47,6 %, danach erst das Gehalt mit 39,6 % und der Karriereehrgeiz mit 29,8 %. Bis zu drei Antworten waren möglich.

Besonders relevant für Arbeitgeber: 52 % der Befragten würden bei untragbarer Arbeitslast kündigen – und fast genauso viele, 54 %, bei einem nicht wettbewerbsfähigen Gehalt. Der beliebteste Benefit der unter 30-Jährigen ist zusätzliche freie Zeit.

Kein Leistungsverzicht, sondern eine Rechnung

Man kann diese Zahlen als Bequemlichkeit abtun. Ich halte das für einen Fehler. Die Studie beschreibt eine Generation, die von wirtschaftlicher Unsicherheit und der Pandemie geprägt ist – und deshalb Stabilität höher gewichtet als den schnellen Aufstieg. Das ist eher Vorsicht als Anspruchsdenken.

Entscheidend ist der zweite Blick: Gehalt allein hält niemanden, Work-Life-Balance allein auch nicht. Wer Talente binden will, muss beides zusammen denken – Vergütung, Aufgabe und tragbare Belastung als ein Paket. Genau an dieser Stelle scheitern viele Unternehmen, weil Personalabteilung, Führungskraft und Geschäftsführung jeweils nur an einer Schraube drehen.

Warum das den Mittelstand besonders trifft

Große Konzerne können Überlast oft durch zusätzliche Stellen, Springerpools oder Versetzungen abfedern. Im Mittelstand ist das anders: Fällt eine Person aus, verteilt sich ihre Arbeit auf wenige Schultern. Genau das erzeugt die Dauerbelastung, bei der die Gen Z laut Studie geht – und die Kündigung verschärft das Problem für alle, die bleiben.

Hinzu kommt der Fachkräftemangel. In Regionen mit sehr niedriger Arbeitslosigkeit – Oberbayern, Tirol, Südtirol, Trentino – wechseln junge Fachkräfte schnell, weil sie es können. Wer hier eine Stelle nachbesetzen muss, zahlt mit Zeit, Einarbeitung und oft mit einem höheren Gehalt.

Die Studie zeigt außerdem: Junge Menschen schätzen Beziehungen am Arbeitsplatz, bevorzugen aber kleine Teams, in denen echter Austausch und persönliche Entwicklung möglich sind. Das ist eigentlich eine Stärke des Mittelstands – wenn sie bewusst gestaltet und nicht dem Zufall überlassen wird.

Was das für Recruiting und Bindung konkret heißt

  • Arbeitslast ehrlich kommunizieren: Im Bewerbungsgespräch realistisch beschreiben, wie Spitzenzeiten aussehen und wie sie aufgefangen werden. Wer hier beschönigt, verliert die Person in der Probezeit.
  • Belastung messen, nicht vermuten: Überstunden, Vertretungsketten und unbesetzte Stellen pro Team regelmäßig auswerten. Dauerüberlast ist ein Frühindikator für Fluktuation.
  • Zeit als Benefit ernst nehmen: Zusätzliche freie Tage, planbare Schichten oder Zeitwertkonten wirken für diese Zielgruppe oft stärker als ein weiterer Sachbezug.
  • Vergütung marktgerecht halten: 54 % würden wegen eines nicht wettbewerbsfähigen Gehalts gehen. Ein aktueller Vergütungsbenchmark gehört zur Bindungsstrategie – nicht erst zur Neubesetzung.
  • Kleine Teams, klare Führung: Führungskräfte der zweiten Ebene sind entscheidend: Sie sehen Überlast als Erste und können sie früh abfangen – wenn man sie dafür befähigt.

Mein Blick aus der Praxis

In meinen Suchmandaten frage ich Kandidatinnen und Kandidaten inzwischen fast immer, warum sie ihre letzte Stelle verlassen haben. Bei den Jüngeren lautet die Antwort auffallend oft nicht „zu wenig Geld“, sondern „es war auf Dauer nicht mehr zu schaffen“ – häufig, weil eine Stelle im Team monatelang unbesetzt blieb.

Das bedeutet umgekehrt: Eine schnell und gut besetzte Vakanz ist nicht nur eine Recruiting-Frage. Sie ist Bindungsmaßnahme für das ganze Team.

Häufige Fragen

Wie viele junge Beschäftigte würden wegen zu hoher Arbeitslast kündigen?

Laut dem Gen Z Intelligence Report von Il Sole 24 Ore und WTW würden 52 % der befragten jungen Menschen das Unternehmen bei untragbarer Arbeitslast verlassen.

Was ist der Gen Z im Job am wichtigsten?

An erster Stelle steht die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben (60,4 %), gefolgt von Stabilität und Sicherheit (47,6 %), Gehalt (39,6 %) und Karriere (29,8 %).

Gelten die italienischen Zahlen auch für Deutschland und Österreich?

Die Studie bezieht sich auf Italien. Die Richtung deckt sich aber mit dem, was ich in Rekrutierungsmandaten in Bayern, Österreich und Norditalien beobachte. Für konkrete Entscheidungen lohnt sich ein Blick auf die eigene Fluktuation und Belastung je Team.

Wie kann ich junge Fachkräfte besser halten?

Arbeitslast ehrlich kommunizieren und messen, marktgerechte Vergütung sicherstellen, Zeit als Benefit anbieten und Vakanzen schnell nachbesetzen, damit das Team nicht dauerhaft überlastet ist. Kontakt aufnehmen

Was das für Ihr Unternehmen heißt

Die Gen Z verzichtet nicht auf Leistung – sie verweigert dauerhafte Überlast. Unternehmen, die Arbeitslast, Vergütung und Teamstruktur als Gesamtpaket steuern, halten ihre jungen Fachkräfte. Wer nur an einer Stellschraube dreht, verliert sie – und belastet damit alle, die bleiben.

Vakanz im Team – und die Belastung steigt?

Ich unterstütze mittelständische Unternehmen in Bayern, Österreich und Norditalien dabei, kritische Positionen schnell und passgenau zu besetzen – von Produktion und Schichtführung bis zur Geschäftsleitung. In einem ersten Gespräch klären wir, welcher Weg zu Ihrer Situation passt.

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Quellen

  1. 01Il Sole 24 Ore — Cristina Casadei: »Carichi eccessivi? No grazie, la GenZ piuttosto lascia il lavoro«, 16. September 2026 (Gen Z Intelligence Report, Il Sole 24 Ore / 24 ORE Ricerche e Studi, WTW, University Box)ilsole24ore.com

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